Gründung

Brasilien wird Fußballweltmeister, das Automobilwerk Borgward aus Bremen meldet Konkurs an, die Kubakrise ist auf ihrem Höhepunkt, die Bundesliga wird gegründet, Adenauer tritt zurück, John F. Kennedy wird erschossen, die Beatles sind die bekannteste Popgruppe dieser Zeit, und und und. Es gäbe noch viele Schlagzeilen aus der Zeit der beginnenden sechziger Jahre. Eine fehlt, zumindest in der Weltpresse.


Am 16. April 1964 wird im Gasthaus Sonne in Mindersdorf der MotorSportClub Mindersdorf gegründet. Dem Chronisten liegt leider kein Dokument aus dieser Zeit vor, welches mehr Information über diese Versammlung gebracht hätte. Deshalb wird hier auf das Protokoll der ersten Generalversammlung näher eingegangen.
 
Das Protokoll im Original-Wortlaut:

Am 16. April 1964 wurde im Gasthaus Sonne in Mindersdorf der Motorsportclub gegründet. Bei der Gründung waren es 30 Mitglieder, die in den Motorsportclub eintraten. Anschließend waren die Vorstandswahlen.

1. Vorstand    Walter Hahn
2. Vorstand    Karl Hahn
1. Kassier       Peter Kneißler
2. Kassier       Willi Hegge
Schriftführer   Manfred Bock
Sportleiter      Wilfried Klotz
Sportleiter      Otto Klotz

Im letzten Vereinsjahr hatten wir 7 Versammlungen, die zu vielen Entschlüssen führten. Jedes Mal waren wir in einem anderen Lokal.
 
Am 10. Mai 1964 hatten wir auf dem Kühneberg ein Motocross, das zwar nicht in der Zeitung bekannt gegeben wurde, aber es kamen viele Besucher die sich interessiert haben. Dieses Rennen wurde in 4 Klassen gefahren:

Klasse bis 50 ccm, 10 Runden
Sieger: Wilfried Klotz

Klasse bis 200 ccm, 15 Runden
Sieger: Manfred Schreiber

Klasse bis 250 ccm, 15 Runden
Sieger: Günter Reinl, Zizenhausen

Klasse bis 305 ccm, 15 Runden
Sieger: Josef Vögtle

Diese Strecke wurde von Josef Vögtle in einer Zeit von 6 Minuten gefahren.
Bei der Gründung des Clubs war in erster Linie das Betreiben von motorsportlichen Aktivitäten für den Motorrad- und Autosport, aber auch gemeinsame Ausfahrten und gegenseitige Kameradschaft waren im Vordergrund.

Was ging der Gründung voraus ?

Als erstes seien hier die Motocross-Aktivitäten in Winterspüren auf der Motocross Strecke in der sogenannten Einöde zu erwähnen. Dort wurden in den Sechzigern Jahren des vorigen Jahrhunderts Motocross Läufe zu deutschen Meisterschaften ausgetragen, die für damalige Verhältnisse üblich, richtige Massenveranstaltungen mit tausenden von Zuschauern waren. Vielleicht war das die Inspiration für einige junge Mindersdorfer und Deutwanger eine eigene Strecke zu haben? Zum anderen war der Motorradboom auf dem „absteigenden Ast“, das Auto verdrängt so nach und nach die Motorräder, was aber grade für den „Motocrossgedanken“ wesentlich war, denn es bestand ein überaus reichhaltiges Angebot an günstigen Straßenmotorrädern die damals als Basis für Crossmaschinen verwendet wurden. Der Ort für eine Strecke war keine Frage, der Kühneberg bot sich hier an. Die Fläche lag brach, geradezu ideal für ein Motocross - Übungsgelände. Schnell waren die ersten Spuren in den Sand gefahren und ein vager Streckenverlauf gekennzeichnet.

Dabei waren fast alle bekannten Motorradmarken wie z. B. NSU, Triumph, Ardie, Horex, Viktoria, Adler, BMW und Hofmann.   Als Beispiel für die damaligen Motorräder sind noch 2 Originale aus dieser Zeit erhalten geblieben. Zum einen: Eine Zündapp 200 S und eine Horex Imperator. Diese Maschinen wurden in mühevoller Kleinarbeit und mit sehr viel Liebe zum Detail umgebaut.